Transaktionsanalyse und Beziehung - Warum Paare sich häufig nicht verstehen 

Transaktionsanalyse

Im Einen ist immer auch das Andere enthalten. Und dieses gilt es zu erschließen.

Die Transaktionsanalyse (TA) kann uns mit ihrer Haltung helfen unseren Partner besser zu verstehen. Persönliche Reife stellt eine Grundvoraussetzung für das Gelingen einer Partnerschaft dar. Diese besteht darin bei sich selbst bleiben zu können und doch in Beziehung zu sein. Sie zeigt sich in ihrem Ausdruck im Yin und Yang der chinesischen Philosophie. Im Einen ist auch immer das Andere enthalten. Dieses Andere gilt es in sich selbst zu finden. Hier findest du einen Überblick über diesen Artikel




Häufig ist davon die Rede, dass Frauen von der Venus stammen und Männer vom Mars. Damit soll die Unterschiedlichkeit beider Geschlechter betont werden. Mit diesen kategorischen Mann-Frau-Einteilungen tun wir uns häufig keinen Gefallen. Denn alles, was von dieser Kategorisierung abweicht, wird auffällig und manchmal auch abgewertet. Männer unterdrücken dann ihre Gefühle und Frauen verzichten auf Karrieren. Oder es geschieht genau anders herum und dann extrem. Dann werden Frauen zu knallharten Karrieremonstern und Männer zu Weicheiern.

Tatsächlich sind die scheinbar gegensätzlichen Eigenschaften zwischen Mann und Frau zwei Pole einer übergeordneten Skala:


Eigenschaften sind geschlechtsunabhängig. Ein Ziel der Transaktionsanalyse ist Bewusstheit. Bewusstheit bedeutet, dass alles individuell betrachtet wird. Es sind dann nicht mehr die Männer, sondern dieser einzelne Mann mit seinen ganz individuellen Eigenschaften. Jeder kann sich auf einer beliebigen Seite jeder Skala einordnen, ohne fürchten zu müssen nicht mehr okay zu sein. Natürlicherweise besetzen wir eine Seite der Skala stärker. Je extremer wir sie in Richtung eines Pols besetzen und je kleiner die Spannweite auf der Skala ist, desto einseitiger wird unser Verhalten. Was ist mit Spannweite gemeint? Die Spannweite sagt aus, wie weit Du Dich auf der Skale hin und her bewegen kannst. Bist Du auf einer Seite an einem Pol und hast eine kleine Spannweite an Verhalten, dann reagierst Du nahezu immer gleich. Dann siehst du kaum Optionen Dich anders zu verhalten. Ist Deine Spannweite hingegen groß, hast Du viele Möglichkeiten Dein Verhalten an die gegenwärtige Situation anzupassen.

Kleine Spannweite: Dein Repertoire an Verhalten ist sehr eingeschränkt. Du reagierst auf verschiedene Situationen gleich und automatisiert.

Mit einer großen Spannweite hast Du die Möglichkeit angepasst auf die Gegenwart zu reagieren. Reife Menschen können beide Seiten einer Skala besetzen und haben eine große Spannweite.

Genug der Theorie. Lass uns konkret werden. Hier ein paar Skalen mit den entsprechenden Eigenschaften:


1. Transaktionsanalyse & die Eigenschaft Fokus

Übergeordnete Skala der beiden Pole "Beziehungsorientierung" und "Sachorientierung" ist: "Fokus"

Die Skala zeigt an, worauf sich ein Mensch fokussiert. Ist er eher beziehungsorientiert ist es ihm wichtig in Beziehung zu bleiben. Das kann der Partner, aber auch Freunde oder Familie sein. Solche Menschen rufen häufig andere an oder schreiben Briefe. Zu Weihnachten denken sie sich maßgeschneiderte Geschenke aus. Der Sachorientierte strebt nach Dingen materieller oder immaterieller Natur, wie z.B. einer beruflichen Laufbahn oder dem Eigenheim. Ihm sind eher Fakten wichtig. Er stellt den Sachaspekt eher über die Beziehung. Beide Seiten haben ihre Vorteile. Ein sachorientierter Mensch erreicht Ziele. Das können auch Paarziele sein. Ein beziehungsorientierter Mensch kümmert sich um die Beziehung. Wird ein Aspekt im Extrem gelebt, wirkt er sich wahrscheinlich nachteilig aus. Dann passt sich der Beziehungsorientierte nur noch an den Partner an zugunsten der Beziehung. Der Sachorientierte interessiert sich dann nur noch für Fakten und verliert die Beziehung aus den Augen.

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2. Reaktion auf Stress

Männer reagieren häufiger rational (kognitiv) in stressigen Situationen und vernachlässigen dabei ihr Gefühlsleben. Es gilt auch die emotionale Seite zu entwickeln.

Wir alle kommen ab und zu unter Stress. Die Reaktionen auf ein stressendes Ereignis können kognitiv (rational) und emotional (gefühlsmäßig) sein. Bei einer überwiegend kognitiven Reaktion wertet die betreffende Person das eigene Gefühlsleben ab und trifft Entscheidungen vorwiegend rational. Bei einem Streit können solche Menschen kühl und abweisend wirken. Wer emotional reagiert, hört verstärkt auf seine eigenen Gefühle und wertet seine Möglichkeiten ab, dem Stress auch rationalen Überlegungen zu begegnen. Wir belegen meistens eine Seite der Skala stärker als die andere. Sich zu entwickeln heißt als rational reagierender Mensch zu lernen seine emotionale Seite bewusst wahrzunehmen und diese in die eigenen Entscheidungen mit einfließen zu lassen. Als emotional agierender Mensch dann anders herum.

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3. Aufgabenerledigung

Manche Menschen erledigen lieber eines nach dem anderen. Sie sind eher prozedural.

Optionsorientierte Menschen mögen klare Zielvorgaben und wollen den Weg zum Erreichen des Ziels selbst bestimmen. Soll die Wohnung aufgeräumt werden, wird erst hier Staub gewischt, dann dort abgewaschen und dann wieder hier gereinigt. Prozedural orientierte Menschen halten sich gern an feste Abläufe. Sie fertigen vor dem Wohnungsputz einen Plan und bringen die zu erledigenden Aufgaben in einer festen Reihenfolge, von der sie nur ungern abweichen. Beide Herangehensweisen haben ihre Vor- und Nachteile. Es kann vorteilhaft sein, beides zu können. Dann hast du die Wahl flexibel zu agieren.


4. Reaktion auf aktives Handeln anderer

Auf welcher Seite der Skala befindest Du Dich eher?

Auf welcher Seite der Skala befindest Du Dich eher?

Reaktive Menschen warten häufig darauf, dass andere die Initiative ergreifen und reagieren dann. Sie untersuchen die Phänomene lieber und überlassen das Handeln den anderen. Proaktive ergreifen eher die Initiative. Es sind die Macher. Häufig ist die aktive Seite sozial angesehener. Zu einer reifen Persönlichkeit gehört es, abwarten und agieren zu können. Jede Fähigkeit zu ihrer Zeit.


5. Sprachverhalten

Viel zu reden hat  Vor- und Nachteile, genau wie schweigen. Die Mitte zu finden ist die Kunst.

Diese Skala erklärt sich schon fast von selbst. Manche Menschen sprechen weniger und manche Menschen sprechen mehr. Ich gehöre zu denen, die mehr sprechen. Vorteil: Ich komme schnell mit Menschen in Kontakt. Nachteil: Ich verpasse manchmal, was andere zu sagen haben, weil ich manchmal zu viel rede. Folge: Ich übe mich darin zuzuhören, um auch die andere Seite des Sprachverhaltens besetzen zu können. In der Transaktionsanalyse spricht man auch von Empathie.


6. Empfundener Erfolg

Menschen in Beziehung empfinden verschiedene Zustände als Erfolg. Welcher ist es bei Dir?

Hier geht es darum, wann sich Menschen in Bezug auf einen anderen Menschen erfolgreich fühlen. Es gibt Menschen, für die ist Durchsetzung ein Zeichen ihres Erfolges. Wenn Du in den Park willst und schaffst es Dich gegenüber deinem Partner durchzusetzen, dann empfindest Du Dich als erfolgreich. Dein Partner will eine harmonische Beziehung. Deswegen lenkt er vielleicht ein, obwohl er gar nicht ins Grüne wollte. In dieser Konstellation steckt eine Menge Sprengstoff. Häufig schlucken harmoniebedürftige ihren Ärger runter. Wenn für sie das Maß irgendwann voll ist, holen sie allen alten Ärger auf einmal hoch. Nicht selten bedeutet das dann einen heftigen Streit. Durchsetzungswillige Menschen vernachlässigen häufig die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen und gehen dabei über Grenzen.


7. Erklärungen zu den Skalen


Das NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren) kennt solche Skalen unter dem Namen „Metaprogramme“. Jede Seite einer Skala hat Vor- und Nachteile. Beispielsweise hat es eindeutige Vorteile sich ab und zu durchzusetzen. Tut man dieses jedoch zu häufig, wird man wenig Freude mit seinen Mitmenschen erleben. Genauso verhält es sich mit der Harmonie. Es ist gut Harmonie zu schaffen. Doch sucht man ständig den Ausgleich vernachlässigt man eventuell eigene Bedürfnisse.

Diese Skalen zeigen, dass die häufig so gegensätzlichen Eigenschaften zwei Pole der gleichen Skale sind. Damit sind sie gleichwertig. Das bedeutet auch, dass wir von der gesellschaftlichen Aufwertung der häufig als männlichen interpretierten Pole und der Abwertung der häufig als weiblich bezeichneten Pole loslassen können. Denn diese Auf- beziehungsweise Abwertungen führen zu Missverhältnissen zwischen Partnern und Geschlechtern.

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Die Transaktionsanalyse hat selbstbestimmten und spontanen Ausdruck zum Ziel. Spontan bedeutet dabei, dass wir aus einer Auswahl von Optionen frei wählen können, wie wir agieren wollen. Deswegen kann es ein Entwicklungsschritt eines jeden Menschen sein, die Spannweite der Skale in Richtung des gegenüberliegenden Pols auszudehnen. Wenn Du normalerweise proaktiv bist, kannst Du lernen, auch einmal abzuwarten und andere aktiv werden lassen. Durch einen solchen Lernschritt erhöhst Du Deinen persönlichen Entscheidungsspielraum. Die alten Griechen kannten neben dem Gott Chronos (Gott des Zeitflusses) auch den Kairos (Gott des richtigen Zeitpunktes). Indem Du die andere Seite der jeweiligen Skala für Dich besetzt stehen Dir neue Möglichkeiten zu handeln offen. Du kannst auch Deinen Partner und andere Menschen besser verstehen. So wird achtsamerer Umgang miteinander möglich.

Ein Aspekt von Reife besteht darin zu sich selbst zu finden und auch die andere Seite der jeweiligen Skala besetzen oder zumindest anerkennen zu können. Diese Reife findet ihren Ausdruck im Yin und Yang. Im einen ist immer auch das andere enthalten. Die Transaktionsanalyse kann Dir bei der Erschließung helfen. Mehr erfahren!

Über den Autor: Steffen Raebricht 

Gründer von TA+

Transaktionsanalyse-Trainer, Selbstständig, Universitäts-Dozent (UT-Dallas), Trainer, Coach, Autor, Imker

Hier erfährst du mehr über Steffen


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